WRTC 2026 neu gewertet: Piraten-QSOs, Disqualifikationen und ein neuer Weltmeister
Die World Radiosport Team Championship (WRTC) hat ihre am 13. Juli veröffentlichten Ergebnisse für die WRTC 2026 aufgehoben und den Wettbewerb neu gewertet. Vier Teams wurden disqualifiziert, darunter das zunächst zum Sieger erklärte Team MB2M mit VE3DZ und UW7LL. Neue WRTC-Champions sind DJ5MW und DM5EE mit dem Wettbewerbsrufzeichen MB5O. Auslöser war eine umfangreiche Nachuntersuchung, die unter anderem manipulierte Multiplikator-QSOs, gezielte Frequenzübergaben und die dadurch mögliche Offenlegung geheimer Teamidentitäten betrifft.
Am 1. September 2026 veröffentlichte das WRTC 2026 Organising Committee eine ungewöhnlich weitreichende Korrektur. Die Mitteilung erklärt ausdrücklich, dass der neue Bericht die zuvor bekannt gegebenen Ergebnisse aufhebt und ersetzt. Vorausgegangen waren nach Angaben der WRTC neue Informationen aus der Öffentlichkeit, die erst nach der Siegerehrung bekannt wurden.
Damit ist auch unser im Juli veröffentlichter Artikel über den damaligen Ausgang der WRTC in einem entscheidenden Punkt überholt. Die dort genannten Ergebnisse entsprachen dem zu diesem Zeitpunkt offiziell veröffentlichten Stand. Nach der neuen Entscheidung sind sie nicht mehr gültig.
DJ5MW und DM5EE sind die neuen WRTC-Champions
Nach der Neuberechnung steht MB5O mit DJ5MW und DM5EE auf Platz eins. Das Team erreicht 7.310.308 Punkte. Auf Rang zwei folgt MB4G mit N6MJ und KL9A, Platz drei geht an MB1T mit K5ZD und W2SC.
Die ersten zehn Plätze der neuen Ergebnisliste:
- MB5O, DJ5MW / DM5EE: 7.310.308 Punkte
- MB4G, N6MJ / KL9A: 6.955.083 Punkte
- MB1T, K5ZD / W2SC: 6.836.480 Punkte
- MB5C, CT1ILT / EC2DX: 6.480.110 Punkte
- MB7W, UA4FER / LZ2HM: 6.334.972 Punkte
- MB7L, LY9A / LY4L: 6.180.000 Punkte
- MB3R, F1AKK / F8DBF: 6.083.469 Punkte
- MB7D, LZ3FN / LZ4AX: 6.024.256 Punkte
- MB3K, NA8V / N9RV: 5.980.380 Punkte
- MB5Z, W0AAE / W4IPC: 5.924.736 Punkte
Auch mehrere Sonderpreise wurden neu vergeben. N6MJ und KL9A erzielten mit 457 die meisten Multiplikatoren und erhielten mit einer Fehlerquote von 0,5 Prozent zugleich den Accuracy Award. Die SSB-Wertung gewann MB5Y mit 9A6KX und 9A1UN sowie 2.369 Phone-QSOs. Bei CW liegen LU9ESD und LW5HR von MB5P mit 2.745 Verbindungen vorn. Das bestplatzierte Jugendteam bleibt MB5Z mit W0AAE und W4IPC.
Vier Teams wurden disqualifiziert
Das Judging Committee disqualifizierte vier Teams:
- MB2M, VE3DZ / UW7LL: Verstoß gegen Regel 12.2 wegen Offenlegung der Teamidentität
- MB2A, US2YW / IK4VET: Verstoß gegen Regel 12.2 wegen Offenlegung der Teamidentität
- MB1I, E77DX / DJ4MX: Verstoß gegen Regel 12.2 wegen Offenlegung der Teamidentität
- MB5Q, RW7K / KU1CW: Verstoß gegen Regel 12.7 wegen nicht verifizierbarer QSOs beziehungsweise Multiplikatoren
Die WRTC stellt ausdrücklich klar, dass die Disqualifikationen gegen die jeweiligen Teams ausgesprochen wurden und nicht automatisch eine persönliche Sanktion gegen jeden einzelnen Operator darstellen. Nach Angaben des Judging Committee kann die individuelle Verantwortung innerhalb eines Teams unterschiedlich sein. Für die einzelnen Fälle ist die Beweislage allerdings verschieden: Die beiden Operatoren von MB1I haben den beanstandeten Vorgang später eingeräumt und die Verantwortung für den Verstoß gegen Regel 12.2 akzeptiert. Bei MB2M und MB2A hat dagegen kein Operator eine vorherige Absprache eingeräumt. Das Judging Committee kam aufgrund der untersuchten Abläufe und Indizien dennoch zu dem Ergebnis, dass absichtlich arrangierte Frequenzübergaben stattgefunden hatten.
Der bisherige Sieger MB2M verschwindet damit vollständig aus der gewerteten Ergebnisliste. Laut Rescoring-Bericht wäre das Team nach Entfernung der als ungültig bewerteten Kontakte bereits aus den ersten drei Plätzen gefallen. Hinzu kam anschließend die Disqualifikation nach Regel 12.2.
Warum die Identität der Teams geheim bleiben sollte
Eine Besonderheit der WRTC besteht darin, dass während des Wettbewerbs niemand wissen soll, welches Team hinter welchem Wettbewerbsrufzeichen steckt. Die Rufzeichen werden den Teilnehmern erst 15 Minuten vor Contestbeginn mitgeteilt.
Das hat einen wichtigen Grund. Würden Freunde und Unterstützer wissen, hinter welchem Rufzeichen ein bestimmtes Team arbeitet, könnten sie dieses gezielt anrufen, ihm zusätzliche Verbindungen verschaffen oder seltene Multiplikatoren liefern. Das würde die Vergleichbarkeit der Ergebnisse erheblich beeinträchtigen.
Regel 12.2 verbietet deshalb ausdrücklich, die Identität des Teams vor oder während des Wettbewerbs offenzulegen. Vorab verabredete QSOs oder andere Verfahren zur Identifizierung eines Teams sind ebenfalls untersagt.
Das Judging Committee beschreibt ein dreistufiges Schema
Der Rescoring-Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein dreistufiges Verfahren eingesetzt wurde, um die Ergebnisse von MB2M und MB2A auf betrügerische Weise zu erhöhen.
Im ersten Schritt sendete eine externe Station kurz vor dem Contest über längere Zeit auf einer zuvor festgelegten Frequenz.
Im zweiten Schritt verließ diese Station die Frequenz unmittelbar zum Conteststart und übergab sie damit an eine WRTC-Station, die dort ihren Betrieb aufnahm. Für Personen, die von dieser Übergabe wussten, war damit erkennbar, welches der zuvor anonymen WRTC-Rufzeichen zu dem betreffenden Team gehörte.
Im dritten Schritt arbeiteten externe Piratenstationen die WRTC-Stationen unter fremden Rufzeichen. Dabei gaben sie sich als Stationen aus Ländern aus, deren Verbindung häufig einen zusätzlichen DXCC-Multiplikator brachte. Solche Kontakte wurden zwar an zahlreiche WRTC-Teams verteilt, laut Untersuchung gingen jedoch deutlich mehr davon an die zuvor identifizierten Teams MB2M und MB2A.
Der Frequenzwechsel bei MB2M
Der Bericht nennt für das zunächst siegreiche Team MB2M ein konkretes Beispiel auf 20 Meter. Die Station EU8E wurde von unabhängigen Skimmer-Empfängern ab 11:19 UTC auf 14.003,5 kHz registriert und blieb dort bis 11:59:26 UTC aktiv.
Um 12:00 UTC erschien MB2M innerhalb von 100 Hz dieser Frequenz und begann dort seinen Run. Das erste im Log von MB2M eingetragene QSO war ausgerechnet EU8E auf der zuvor von dieser Station belegten Frequenz.
EU8E wurde danach während der folgenden 24 Stunden laut Untersuchung nicht mehr gehört, reichte kein Log ein und erscheint in den übrigen Contestdaten nur noch bei einem als Fehlaufnahme identifizierten Rufzeichen.
Das Judging Committee bewertete die Kombination aus Zeitpunkt, Dauer, Frequenzkontinuität und anschließendem Verhalten als absichtlich arrangierte Frequenzübergabe. VE3DZ und UW7LL haben laut Bericht keine entsprechende Absprache eingeräumt.
Auch bei MB2A und MB1I fanden die Prüfer solche Muster
Bei MB2A hielt EV6M laut Bericht ab 11:30 UTC die Frequenz 14.002,2 kHz. 44 Skimmer-Meldungen dokumentierten den Betrieb bis 11:58:47 UTC. Um 12:00 UTC erschien MB2A innerhalb von 100 Hz der frei gewordenen Frequenz und begann dort seinen Contestbetrieb.
Bei MB1I fanden die Prüfer sogar zwei entsprechende Vorgänge. E77EA belegte 14.007,0 kHz bis 11:59:39 UTC. Das erste Contest-QSO dieser Station auf der Frequenz war anschließend MB1I. Auf 21.007,0 kHz hatte DA0BCC bis unmittelbar vor dem Start gesendet. Zu den ersten beiden Verbindungen um 12:00 UTC gehörte wiederum MB1I.
Die beiden Operatoren von MB1I hätten den Vorgang gegenüber der WRTC eingeräumt und die Verantwortung für den Verstoß gegen Regel 12.2 sowie dessen Folgen akzeptiert. Für MB2M und MB2A hält der Bericht dagegen ausdrücklich fest, dass kein Operator eine entsprechende Absprache zugegeben habe. Das Judging Committee kam nach seiner Untersuchung dennoch zu dem Ergebnis, dass auch dort absichtlich arrangierte Frequenzübergaben vorlagen.
15 fremdbenutzte Rufzeichen lieferten wertvolle Multiplikatoren
Der zweite große Komplex betrifft Stationen, die unter den Rufzeichen real existierender Funkamateure sendeten. Der WRTC-Bericht bezeichnet sie als Piratenstationen.
Mindestens 15 solcher Rufzeichen wurden identifiziert. Die Funkverbindungen waren keineswegs nur erfundene Einträge in den Logs. Die entsprechenden Signale sind in den Audioaufzeichnungen der WRTC-Stationen tatsächlich zu hören. Nach der Untersuchung saßen hinter diesen Signalen jedoch nicht die rechtmäßigen Inhaber der verwendeten Rufzeichen.
Die WRTC nennt folgende Rufzeichen:
4F3OM, 4K6FO, 4S7KM, 9H1FL, 9M2LAN, 9M8YY, HC5AI, HL2CFY, HZ1TT, OD5NZ, TI1W, XE2IF, YV1LBB, ZP5KO und ZS6WAR.
Die Rufzeichen gehörten überwiegend zu Ländern, die im Contest selten oder überhaupt nicht regulär vertreten waren. Fast jede Verbindung konnte deshalb einen neuen DXCC-Multiplikator erzeugen.
Insgesamt fanden die Prüfer 435 geloggte Kontakte mit diesen 15 Rufzeichen. 86 Prozent davon entfielen auf WRTC-Stationen. Zum Vergleich nennt der Bericht für die übrigen Teilnehmer der IARU HF World Championship nur etwa 13 Prozent.
Die WRTC kontaktierte die tatsächlichen Inhaber aller 15 Rufzeichen. Bei 13 von ihnen wurde bestätigt, dass sie entweder überhaupt nicht auf Sendung gewesen waren oder keine WRTC-Station gearbeitet hatten.
Die Verteilung war extrem ungleich
Alle 50 WRTC-Teams hatten mindestens eine Verbindung mit einem der später als Piraten identifizierten Rufzeichen im Log. Der Median lag bei sechs dadurch gewonnenen Multiplikatoren pro Team.
MB2M kam dagegen auf 36 solcher Multiplikatoren, MB2A auf 32. Das drittstärkste begünstigte Team erreichte 14. MB2M und MB2A waren außerdem die einzigen Teams, die alle 15 Piraten-Rufzeichen gearbeitet hatten.
Ein interessanter Vergleich ist MB5O. Das Team hatte vor der Logprüfung mit mehr als 6.000 QSOs die höchste Rohzahl an Verbindungen im Feld. Trotzdem wurde es laut Bericht nur von einem der 15 Piraten-Rufzeichen gearbeitet.
Diese Zahlen gehören zu den stärksten Indizien der nachträglichen Untersuchung. Sie beweisen für sich allein allerdings keine Beteiligung eines angerufenen WRTC-Teams an der Piratenaktivität. Deshalb wurden die entsprechenden Kontakte aus sämtlichen Logs entfernt, unabhängig davon, welches Team sie gearbeitet hatte.
Ein falscher Zonenaustausch fällt besonders auf
Bei einem der frühen Piraten-QSOs unterlief dem Sender nach Darstellung des Rescoring-Berichts ein auffälliger Fehler. 4S7KM arbeitete MB2A um 12:12 UTC auf 20 Meter und sendete auf der Audioaufnahme als ITU-Zone die Zahl 29. Ein echtes Rufzeichen aus Sri Lanka gehört jedoch zur ITU-Zone 41. Im Log von MB2A wurde Zone 41 eingetragen.
Aus diesem Unterschied allein lässt sich keine Absprache des WRTC-Teams ableiten. Das offizielle WRTC-Q&A erlaubte der Loggingsoftware ausdrücklich, anhand der CTY.dat-Datei die erwartete ITU-Zone eines Rufzeichens automatisch in das Empfangsfeld einzutragen. Außerdem sollten die Operatoren laut WRTC eine als offensichtlich falsch erkannte Zone nicht ungeprüft übernehmen, sondern die korrekte Zone loggen.
Interessant ist der Vorgang deshalb vor allem als weiteres Indiz für die Piratenaktivität: Der Sender, der sich als 4S7KM ausgab, übermittelte eine Zone, die nicht zum verwendeten sri-lankischen Rufzeichen passte. Die Disqualifikation von MB2A stützte das Judging Committee dagegen auf die festgestellte Offenlegung der Teamidentität durch die Frequenzübergabe nach Regel 12.2.
Manche Piraten-Rufzeichen könnten vom selben Sender gekommen sein
Auch die zeitliche Verteilung der Signale wurde untersucht. Fünf der verwendeten Rufzeichen, die nominell Stationen in Sri Lanka, Korea, den Philippinen sowie Ost- und Westmalaysia zugeordnet waren, sendeten während der gesamten 24 Stunden kein einziges Mal in derselben Minute.
Das Judging Committee hält es deshalb für möglich, dass ein einzelner Sender nacheinander zwischen diesen fünf Identitäten wechselte.
Eine Besonderheit stellt HC5AI dar. Das echte Rufzeichen war tagsüber tatsächlich aktiv und wurde regulär von Skimmern empfangen. Etwa acht Stunden später tauchte dasselbe Rufzeichen erneut auf, arbeitete nach Darstellung des Berichts jedoch ausschließlich WRTC-Stationen und erschien gleichzeitig in keinem Skimmer. Nur diese spätere Aktivität wurde als betrügerisch bewertet.
MB5Q ist ein anderer Fall
Die Disqualifikation von MB5Q mit RW7K und KU1CW beruht auf einem anderen Sachverhalt.
Im Log des Teams fanden die Prüfer zehn Verbindungen, die jeweils einen Multiplikator gebracht hätten. An den betreffenden Zeitpunkten ist auf der vollständigen Audioaufzeichnung der Station laut Bericht keinerlei Signal des geloggten Rufzeichens vorhanden.
Die QSOs unmittelbar davor und danach sind dagegen hörbar. Bei einem der fraglichen Einträge ist auf der Aufnahme sogar eine laute deutsche Station zu hören, die MB5Q zu diesem Zeitpunkt anruft. Damit war der Empfänger offenbar weiterhin in Betrieb.
Sechs der acht verwendeten Rufzeichen tauchen zudem in keinem einzigen der 5.607 eingereichten Contestlogs auf. Die beiden übrigen Stationen waren zwar real aktiv, ihre tatsächlichen Verbindungen passen laut Untersuchung nicht zu den von MB5Q beanspruchten QSOs.
Der Bericht hält fest, dass beide Operatoren mit den Belegen konfrontiert wurden. Sie hätten die Feststellungen nicht bestritten, keine Erklärung angeboten und darum gebeten, die betreffenden Kontakte aus dem Log zu entfernen. Die Jury disqualifizierte das Team anschließend nach Regel 12.7.
Auch gezielte Unterstützung durch Freunde wurde herausgerechnet
Neben den Piratenstationen untersuchte das Judging Committee auch auffällig einseitige Unterstützung durch Freunde oder andere Stationen. Im WRTC-Bericht wird dafür der verbreitete Begriff „Cheerleading“ verwendet. Die Autoren beschreiben das Verhalten präziser als den Versuch, durch gezielte Kontakte das Ergebnis zugunsten bestimmter Teilnehmer zu beeinflussen.
Eine externe Station konnte jedes WRTC-Team höchstens zehnmal arbeiten, nämlich auf fünf Bändern jeweils einmal in CW und einmal in SSB. Dadurch ließ sich untersuchen, ob eine Station einem bestimmten Team ungewöhnlich viele dieser möglichen Kontakte gab, während sie die übrigen Teams nur selten arbeitete.
Für die Neuwertung wurden zunächst alle Stationen untersucht, die in mindestens fünf WRTC-Logs auftauchten. 31 Rufzeichen hatten einem einzelnen Team mindestens sechs der zehn möglichen Kontakte gegeben und gleichzeitig die übrigen Teams höchstens zweimal gearbeitet. Der Bericht betont allerdings, dass ein großer Teil solcher Verteilungen noch als normales Contestverhalten angesehen wurde und keinen Regelverstoß darstellte.
Für die eigentliche Korrektur setzte das Judging Committee einen strengeren Schwellenwert an. Acht Rufzeichen erfüllten diesen. DR0W, DQ2A, DF0WA und DL0LI arbeiteten jeweils alle zehn möglichen Band- und Betriebsartenkombinationen mit dem späteren Sieger MB5O. DP4X, DA0BCC und DJ2MX kamen auf neun, neun beziehungsweise acht Verbindungen mit MB1I. Laut Bericht wurden diese drei Rufzeichen von einem einzigen Operator verwendet. R3FA arbeitete MB5Q achtmal.
Die betreffenden Stationen hatten auch zahlreiche andere WRTC-Teams gearbeitet. Deshalb wurden ihre Kontakte nicht nur aus den Logs der besonders stark begünstigten Teams gestrichen. Die Jury entfernte sie nach demselben Verfahren aus allen 50 WRTC-Logs. Jedes Team verlor dadurch zwischen fünf und 42 Kontakte, wobei der größte Abzug auf das zuvor am stärksten begünstigte Team entfiel.
Der Bericht stellt ausdrücklich klar, dass daraus kein Vorwurf gegen die Motive der jeweiligen WRTC-Teams abgeleitet wurde. Es handelte sich um tatsächlich geführte Funkverbindungen mit realen Stationen, die nach Einschätzung der Jury auf eigene Initiative besonders einseitig bestimmte Teams unterstützten. Die Auswirkungen auf die Ergebnisse waren gering. Der größte einzelne Effekt betrug ungefähr ein halbes Prozent, und durch diese Korrektur änderte sich keine Platzierung.
Bei MB5Q fiel darüber hinaus eine weitere Gruppe von 13 Rufzeichen auf: R3FA, UA7K, UA6KAC, RK7A, RD7K, UA6ARR, RU6K, RA7KY, R6KVA, R6KA, R7KCW, RY7KAB und UB7K. R3FA gehört damit zugleich zu den zuvor genannten acht besonders auffälligen Unterstützer-Rufzeichen. Zusammen lieferten diese 13 Rufzeichen 82 Kontakte an MB5Q. Das Team arbeitete alle 13 Stationen, die meisten davon jeweils fünf- bis achtmal.
Nach Darstellung des Berichts ließen sich sämtliche Kontakte dieser Gruppe zeitlich auf einer einzigen Abfolge anordnen, als seien sie von nur einem oder möglicherweise zwei Operatoren durchgeführt worden. Auch eine Reihe von DX-Cluster-Spots für MB5Q dürfte nach Einschätzung der Prüfer aus einer einzigen Quelle gekommen sein und ließ sich in dieselbe zeitliche Abfolge einordnen.
Die 13 Rufzeichen arbeiteten allerdings auch andere WRTC-Teams. Das am zweitstärksten bedachte Team erhielt 19 Kontakte, zwei weitere Teams jeweils 15, die übrigen zwischen null und neun. Die Jury entfernte deshalb sämtliche Kontakte dieser Rufzeichengruppe aus allen Logs, in denen sie auftauchten. Auch diese Maßnahme veränderte die Reihenfolge im Endergebnis nicht.
Das Judging Committee hatte die Teilnehmer vor dem Wettbewerb ausdrücklich gebeten, Freunde und Bekannte davon abzuhalten, einzelne Teams auf diese Weise zu unterstützen. Laut Bericht kam es dennoch zu solchen Kontakten. Die nachträgliche Bereinigung sorgte dafür, dass die gezielte Unterstützung keinen positiven Einfluss auf die Wertung behielt.
Logs, SDRs und das Reverse Beacon Network machten die Rekonstruktion möglich
Bemerkenswert ist auch, wie der Fall überhaupt aufgearbeitet wurde. Die ersten Hinweise kamen laut WRTC nach der Siegerehrung aus der Öffentlichkeit.
Beobachter werteten öffentlich zugängliche Logs, Daten des Reverse Beacon Network und SDR-Aufzeichnungen aus. Damit ließen sich beispielsweise Frequenzen über längere Zeit verfolgen und sekundengenau mit dem Conteststart vergleichen.
Hinzu kamen die vollständigen Audioaufzeichnungen der WRTC-Stationen. Diese waren ohnehin vorgeschrieben und ermöglichten es dem Judging Committee, fragliche QSOs nachträglich abzuhören. Bei den Piratenstationen bestätigten die Aufnahmen, dass tatsächlich Funkkontakte stattgefunden hatten. Im Fall MB5Q zeigten sie das Gegenteil: An den fraglichen Logpositionen war kein entsprechendes QSO zu hören.
Die Untersuchung zeigt damit auch die Bedeutung nachvollziehbarer Contestdaten. Ein klassisches Logchecking kann falsch gehörte Rufzeichen und fehlerhafte Rapporte erkennen. Eine gezielte Manipulation durch externe Stationen lässt sich damit wesentlich schwerer entdecken. Erst die Kombination mehrerer unabhängiger Datenquellen machte die jetzt beschriebene Rekonstruktion möglich.
Und was ist mit der WRTC 2023?
Der Rescoring-Bericht wirft außerdem einen Blick auf die vorherige WRTC in Italien. Dort habe die nachträgliche Analyse ebenfalls eine vergleichbare Frequenzübergabe beim damaligen Siegerteam I44W mit VE3DZ und UW7LL ergeben.
Zusätzlich nennt der Bericht 23 Rufzeichen, bei denen inzwischen eine ähnliche Piratenaktivität vermutet wird. Insgesamt seien damit 540 QSOs in den Logs der WRTC 2023 entstanden. 53 davon entfielen auf I44W, wobei die meisten einen Multiplikator gebracht hätten.
Für die Einordnung ist entscheidend: Die WRTC 2026 hat das Ergebnis von 2023 nicht neu gewertet. Der damalige Titel ist mit dem jetzt veröffentlichten Bericht nicht aberkannt worden. Ob aus den neuen Erkenntnissen weitere Konsequenzen entstehen, bleibt offen.
Ein schwerer Vertrauensschaden und eine notwendige Aufarbeitung
Die Vorgänge treffen einen Wettbewerb an einem empfindlichen Punkt. Die WRTC versucht mit vergleichbaren Stationen, begrenzter Sendeleistung und weitgehend standardisierten Antennen Bedingungen zu schaffen, unter denen Betriebstechnik, Strategie, Ausdauer und Genauigkeit über das Ergebnis entscheiden.
Gezielt bekannt gemachte Teamidentitäten und künstlich erzeugte Multiplikatoren greifen unmittelbar in dieses Prinzip ein. Der Schaden beschränkt sich deshalb nicht auf einige gestrichene QSOs. Er betrifft die Glaubwürdigkeit der gesamten Wertung.
Positiv ist, dass die WRTC die neuen Hinweise nach der bereits erfolgten Siegerehrung weiterverfolgt hat. Der Verband korrigiert ein bereits offiziell verkündetes Ergebnis, disqualifiziert Teams und veröffentlicht einen ausführlichen Bericht mit Frequenzen, Zeitstempeln, Rufzeichen und der Methodik der Untersuchung.
Diese Transparenz macht die Vorgänge nicht kleiner. Sie ist aber Voraussetzung dafür, verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen. Für zukünftige WRTCs dürfte die entscheidende Frage deshalb lauten, welche zusätzlichen Prüfmechanismen nötig sind, damit Manipulationsversuche dieser Art bereits während oder unmittelbar nach dem Wettbewerb erkannt werden.
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Quellen und weiterführende Informationen
WRTC 2026 vom 1. September 2026: Offizielle Mitteilung zur Neuwertung
WRTC 2026 vom 1. September 2026: WRTC-2026 Rescoring
WRTC 2026: Competition Rules and Documentation
CQSG: WRTC 2026 entschieden: 24 Stunden, 100 W und nur 1,2 Prozent Vorsprung
Bildhinweis: Mit KI erstellt oder bearbeitet.





