13
Jul
2026

WRTC 2026 entschieden: 24 Stunden, 100 W und nur 1,2 Prozent Vorsprung

Yuri VE3DZ und Yarik UW7LL haben ihren Titel bei der World Radiosport Team Championship (WRTC) 2026 verteidigt. Nach 24 Stunden Contestbetrieb lagen zwischen dem Siegerteam und den deutschen Zweitplatzierten Manfred DJ5MW und Uli DM5EE lediglich 91.058 Punkte. Die vorläufige Ergebnisliste zeigt zugleich, weshalb bei der WRTC eine hohe Zahl an Funkverbindungen allein nicht zum Sieg reicht.

Die World Radiosport Team Championship, kurz WRTC, gilt als Weltmeisterschaft des Amateurfunk-Contestings. Zwei Operatoren treten gemeinsam an einer weitgehend standardisierten Station an. Antennen, Sendeleistung und geografische Rahmenbedingungen sollen möglichst vergleichbar sein. Dadurch rücken Betriebstechnik, Strategie, Teamarbeit und ein fehlerfreies Logbuch in den Mittelpunkt.

Titelverteidigung nach einem äußerst knappen Finale

Der eigentliche Wettbewerb fand vom 11. Juli 2026 um 12:00 Uhr UTC bis zum 12. Juli gegen 12:00 Uhr UTC statt. Die WRTC-Stationen nahmen dabei parallel an der IARU HF World Championship teil.

Die drei besten Teams lagen am Ende eng beieinander:

◉ 1. Platz: Yuri VE3DZ und Yarik UW7LL mit MB2M und 7.460.840 Punkten.

◉ 2. Platz: Manfred DJ5MW und Uli DM5EE mit MB5O und 7.369.782 Punkten.

◉ 3. Platz: Braco E77DX und Sven DJ4MX mit MB1I und 7.346.885 Punkten.

Der Abstand zwischen Platz eins und zwei betrug 91.058 Punkte. Das entspricht rund 1,2 Prozent des Siegerergebnisses. Zwischen dem zweiten und dritten Platz lagen sogar nur 22.897 Punkte.

Yuri VE3DZ und Yarik UW7LL waren bereits bei der vorherigen WRTC als Sieger hervorgegangen. In Großbritannien gelang ihnen damit die Titelverteidigung.

320 zusätzliche QSOs brachten den zweiten Platz

Ein Blick in die Ergebnistabelle zeigt einen zunächst überraschenden Unterschied. Das deutsche Team DJ5MW und DM5EE erreichte 5.880 gewertete Funkverbindungen. Das Siegerteam kam auf 5.560 QSOs und damit auf 320 Verbindungen weniger.

Auch bei den reinen QSO-Punkten lagen DJ5MW und DM5EE vorn. Sie sammelten 16.233 QSO-Punkte, während VE3DZ und UW7LL auf 15.320 Punkte kamen.

Entschieden wurde die WRTC durch die Multiplikatoren. Das Siegerteam erreichte 487 Multiplikatoren. Die deutschen Zweitplatzierten kamen auf 454. Die zusätzlichen 33 Multiplikatoren glichen den Rückstand bei den QSO-Punkten aus und drehten das Ergebnis zugunsten der Titelverteidiger.

Die Berechnung macht den Unterschied deutlich:

◉ VE3DZ und UW7LL: 15.320 QSO-Punkte × 487 Multiplikatoren = 7.460.840 Punkte.

◉ DJ5MW und DM5EE: 16.233 QSO-Punkte × 454 Multiplikatoren = 7.369.782 Punkte.

Das Ergebnis zeigt, wie wichtig die Verbindung aus hoher QSO-Rate und konsequenter Multiplikatorstrategie ist. Viele schnelle Verbindungen helfen nur begrenzt, wenn seltene Länder oder wichtige IARU-Stationen auf einzelnen Bändern fehlen.

So funktioniert die Wertung

Bei der WRTC 2026 wurden Funkverbindungen in CW und SSB auf den Bändern 80, 40, 20, 15 und 10 Meter gewertet. CW bezeichnet den Funkbetrieb mit Morsetelegrafie. SSB ist die im Amateurfunk übliche Einseitenbandmodulation für Sprachverbindungen.

Eine gültige Verbindung innerhalb Europas brachte zwei QSO-Punkte. Für eine Verbindung mit einer Station außerhalb Europas wurden fünf Punkte vergeben. Eine Unterscheidung zwischen Verbindungen innerhalb derselben ITU-Zone und Verbindungen in andere ITU-Zonen gab es in der WRTC-Wertung nicht. Maritime-Mobile- und Aeronautical-Mobile-Stationen brachten unabhängig von ihrem Standort zwei Punkte und zählten nicht als Multiplikator.

Als Multiplikatoren zählten DXCC-Länder sowie die HQ-Stationen der IARU-Mitgliedsverbände. Sie konnten auf jedem Band einmal gewertet werden, unabhängig davon, ob die Verbindung in CW oder SSB stattfand. Hinzu kamen pro Band höchstens vier Multiplikatoren für die IARU-Funktionsträger AC, R1, R2 und R3. HQ-Stationen und IARU-Funktionsträger zählten nicht zusätzlich als DXCC-Ländermultiplikator.

Die übermittelte ITU-Zone gehörte zum Contest-Austausch, war selbst aber kein Multiplikator. Für das Endergebnis wurden die gesammelten QSO-Punkte mit der Gesamtzahl der Multiplikatoren multipliziert. Ein DXCC-Land, das bereits auf 20 Meter gearbeitet worden war, konnte daher auf 15 oder 10 Meter erneut einen Multiplikator bringen.

Damit entstehen schwierige strategische Entscheidungen. Ein Team kann auf einem gut laufenden Band viele Stationen in kurzer Zeit arbeiten. Gleichzeitig besteht das Risiko, eine kurze Öffnung auf einem anderen Band zu verpassen. Dort könnten seltene Multiplikatoren erreichbar sein, die das Gesamtergebnis stärker erhöhen als mehrere zusätzliche Standardverbindungen.

Vergleichbare Stationen, aber kein steriles Labor

Die WRTC versucht, die technischen Voraussetzungen der Teams so weit wie möglich anzugleichen. Die Wettbewerbsstandorte lagen in derselben Region im Osten Englands. Die Veranstalter stellten unter anderem Masten, Antennen, Zelte, Stromversorgung und die Überwachung der Sendeleistung bereit.

Für 20, 15 und 10 Meter stand eine drehbare Triband-Yagi zur Verfügung. Auf 40 und 80 Meter wurden Drahtdipole eingesetzt. Jedes Team durfte zwei Funkgeräte betreiben. Beide Geräte waren auf jeweils höchstens 100 W Ausgangsleistung begrenzt.

Die beiden Stationen durften gleichzeitig senden, mussten dabei jedoch unterschiedliche Bänder verwenden. Während ein Operator beispielsweise auf 20 Meter in CW arbeitete, konnte der zweite auf 15 Meter in SSB funken oder auf einem anderen Band nach Multiplikatoren suchen.

Vollständig identisch können Feldstandorte trotzdem kaum sein. Bodenleitfähigkeit, unmittelbare Umgebung, lokale Störungen und geringe Unterschiede bei den Abstrahlbedingungen bleiben bestehen. Die Standardisierung reduziert den Einfluss großer Antennenanlagen und hoher Sendeleistungen jedoch erheblich.

Die Teams bringen außerdem ihre eigenen zugelassenen Funkgeräte, Computer, Filter und weiteres Stationsequipment mit. Auch die ergonomische Vorbereitung, die Bedienung der Software und die Abstimmung der beiden Arbeitsplätze können daher einen Unterschied machen.

Betriebstechnik unter Dauerbelastung

Die hohe Punktzahl entsteht bei einem Wettbewerb dieser Größenordnung durch eine nahezu ununterbrochene Folge von Entscheidungen. Das Team muss festlegen, auf welchem Band gerufen wird, wann ein Bandwechsel sinnvoll ist und welcher Operator welche Aufgabe übernimmt.

Beim sogenannten Run-Betrieb ruft eine Station auf einer festen Frequenz CQ und arbeitet die anrufenden Stationen nacheinander ab. Damit lässt sich bei guten Bedingungen eine hohe QSO-Rate erzielen. Beim gezielten Absuchen der Bänder stehen dagegen neue Länder, IARU-Stationen und andere wertvolle Multiplikatoren im Vordergrund.

Beide Operatoren müssen sich laufend abstimmen. Sie dürfen nicht gleichzeitig auf demselben Band senden. Bandwechsel und die Nutzung der vorhandenen Antennen müssen deshalb geplant werden. Eine falsche Entscheidung kann eine seltene Bandöffnung kosten oder einen laufenden Pile-up unterbrechen.

Hinzu kommt die körperliche und mentale Belastung. Der Wettbewerb dauert 24 Stunden. Rufzeichen, Signalreport und ITU-Zone müssen auch nach vielen Stunden noch korrekt aufgenommen werden. Müdigkeit reduziert das Hörvermögen, verlangsamt Entscheidungen und erhöht die Fehlerquote.

Automatische Hilfen waren stark eingeschränkt. DX-Cluster, CW-Skimmer und externe Rufzeichendatenbanken durften nicht verwendet werden. Die Operatoren mussten die Gegenstationen selbst hören und identifizieren. Auch Super Check Partial, eine häufig verwendete Rufzeichen-Vervollständigung in Contestprogrammen, war deaktiviert.

Fehler können den erarbeiteten Vorsprung wieder vernichten

Nach dem Contest wurden die eingereichten Logbücher geprüft. Falsch aufgenommene Rufzeichen, fehlerhafte Zonen oder nicht bestätigte Verbindungen können aus der Wertung entfernt werden.

Jedes Team wurde während des Wettbewerbs von einem Referee begleitet. Zusätzlich mussten die empfangenen und gesendeten Audiosignale beider Funkgeräte vollständig aufgezeichnet werden. Die Jury konnte damit strittige Verbindungen überprüfen und die Einhaltung der Regeln kontrollieren.

Den Preis für das genaueste Log erhielten Dan N6MJ und Chris KL9A aus dem Team NA 6. Ihre Fehlerquote lag bei lediglich 0,4 Prozent. Sie belegten in der Gesamtwertung den vierten Platz.

Eine geringe Fehlerquote ist im Contest keine Nebensache. Eine extrem hohe QSO-Rate verliert ihren Wert, wenn zu viele Verbindungen nach der Prüfung gestrichen werden. Gleichzeitig kostet übermäßige Vorsicht Zeit. Erfolgreiche Teams müssen Tempo und Genauigkeit dauerhaft in Balance halten.

Sonderpreise für SSB, CW, Multiplikatoren und Nachwuchs

Neben der Gesamtwertung wurden mehrere Sonderpreise vergeben:

◉ SSB-Wertung: Mirko 9A6KX und Dave 9A1UN aus EU 6 Team 2.

◉ CW-Wertung: Diego LW5HR und Manu LU9ESD aus Wildcard Team 1.

◉ Multiplikator-Wertung: Yuri VE3DZ und Yarik UW7LL, die späteren Gesamtsieger.

◉ Genauestes Log: Dan N6MJ und Chris KL9A aus NA Team 6 mit einer Fehlerquote von 0,4 Prozent.

◉ Bestplatziertes Jugendteam: Kees W0AAE und Connor W4IPC aus Youth Team 2.

Für die SSB- und CW-Sonderpreise mussten die Teams mindestens 35 Prozent ihrer Verbindungen in der jeweils anderen Betriebsart erreichen. Ein Team konnte sich daher nicht vollständig auf eine einzige Betriebsart konzentrieren und trotzdem den entsprechenden Sonderpreis gewinnen.

Youth Team 2 erreichte 6.010.555 Punkte und belegte damit den 17. Platz der Gesamtwertung. Das Ergebnis zeigt, dass die Nachwuchsteams bei der WRTC nicht lediglich ein begleitendes Jugendprogramm bilden. Sie treten unter denselben Bedingungen gegen einige der erfahrensten Contester der Welt an.

Was von der WRTC 2026 bleibt

Die WRTC kann technische Unterschiede zwischen den Stationen stark reduzieren. Sie kann sie nicht vollständig beseitigen. Wetter, lokale Umgebung und Ausbreitungsbedingungen bleiben Faktoren, die sich nur begrenzt kontrollieren lassen.

Trotzdem macht das Konzept Leistungen vergleichbarer als bei normalen internationalen Contesten. Dort treten kleine Heimstationen gegen große Conteststationen mit mehreren Antennentürmen, hoher Leistung und spezialisierten Empfangssystemen an.

Das Ergebnis von 2026 liefert dafür ein anschauliches Beispiel. Die meisten Funkverbindungen und die meisten QSO-Punkte führten nicht automatisch zum Titel. Die bessere Multiplikatorausbeute entschied einen Wettbewerb, in dem nach 24 Stunden nur rund 1,2 Prozent zwischen Gold und Silber lagen.

Für Funkamateure bietet die WRTC damit mehr als eine Ergebnisliste. Sie zeigt, wie eng Technik, Funkbetrieb, Strategie und menschliche Leistungsfähigkeit im modernen Contesting miteinander verbunden sind.

Update vom 18.07.2026:

Die inzwischen veröffentlichten offiziellen Ergebnisse bestätigen den erneuten Sieg des Teams von Yuri Onipko, VE3DZ, und Andrey Karpov, UW7LL. Das Team trat unter dem Rufzeichen MB2M an und erreichte nach der Auswertung 7.460.840 Punkte. Auf Rang zwei folgten Manfred Wolf, DJ5MW, und Markus Stumpf, DM5EE, als MB5O mit 7.369.782 Punkten. Der Abstand zwischen Platz eins und zwei betrug damit lediglich 91.058 Punkte, also rund 1,2 Prozent des Siegresultats. Rang drei belegten E77DX und DJ4MX als MB1I mit 7.346.885 Punkten. Die frühere Ausgabe konnte das Ergebnis nur als vorläufig melden. Nun liegen die geprüften Resultate einschließlich QSO-Zahlen, Multiplikatoren und Fehlerquoten vor.

Interessierst du dich für Technik und Amateurfunk?

Dann besuche uns nach kurzer Voranmeldung an jedem dritten Montag im Monat ab 18:30 Uhr im Galileum in Solingen-Ohligs. Weitere Informationen zu unseren OV-Abenden findest du auf unserer Website www.cqsg.de unter „Termine“.

Wenn du bereits Funkamateur bist, melde dich gern auf unserer OV-Frequenz 144,7125 MHz. Wir freuen uns auf dich! 🤗

Quellen und weiterführende Informationen

WRTC 2026 vom 13. Juli 2026: WRTC2026 Competition Winners
WRTC 2026: Competitors and Referees
WRTC 2026: Competition Rules and Documentation
WRTC 2026: Station Description Version 1.05
DX-World vom 12. Juli 2026: WRTC 2026

Bildhinweis: Mit KI erstellt oder bearbeitet. Das Bild ist keine unveränderte dokumentarische Aufnahme.



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