Vorschläge zur Koexistenz von Afu und Satellitennavigation im 23-cm-Band

Das 23-cm-Band des Amateurfunkdienstes ist unter Druck geraten.

Die nächste Weltfunkkonferenz (WRC-23) wird vom 20. November bis 15. Dezember 2023 in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden.
Auf der Tagesordnung der WRC-23 steht eine Studie über den Schutz der Satellitennavigation vor Störungen durch Funkamateure. Daher untersucht die ITU-R Working Party 4C (WP4C) die Koexistenz des 23-cm-Amateurfunkbandes und der Satellitennavigation. Neue Studien zeigen, dass selbst mit nur 10 Watt auf 23 cm Störungen bis zu 30 km Entfernung möglich sind. Inzwischen gibt es Vorschläge für eine Koexistenz des 23-cm-Afu-Bands und der Satellitennavigation. Und sie lassen an Klarheit nichts zu wünschen übrig.

23-CM-BAND UND VORSCHLÄGE ZUR SATELLITENNAVIGATION
Die Abschaffung der Amateurfunkzuteilung geht über den Rahmen des Tagesordnungspunktes auf der WRC-23 hinaus. Einschränkungen bei der Nutzung großer Teile des Frequenzbands durch Amateure scheinen jedoch unvermeidlich. Die Vorschläge umfassen zwei Komponenten: Frequenztrennung und Leistungsbeschränkungen. Über beide Vorschläge gibt es derzeit keine Einigung.

Vorschlag 1 (weiterhin hohe Leistung in Teilen des Bandes)
100 W zwischen 1298 und 1300 MHz, 100 W für digitales ATV zwischen 1250-1254 MHz, 20 W für Satellitenbetrieb 1260-1262 MHz. Und nur 5 mW (!) für den Rest des 23-cm-Bandes.

Vorschlag 2 (kein ATV im GALILEO-Mittelband)
Verbot von ATV in der Mitte des GALILEO-Bandes und Einrichtung eines kleinen Bereichs für FM-Sprachübertragung mit geringer Leistung um 1293 MHz. Vorschlag 3 (Leistungsbegrenzung für das gesamte Band) Leistungsbegrenzung aller Amateurfunkaussendungen auf weniger als 1 W EIRP über das gesamte Band.

IARU
Die IARU tut ihr Bestes, um die Auswirkungen auf den Amateurfunkdienst zu minimieren. Sie wird bis zur WRC-23 selbst weiter daran arbeiten. Mehr dazu in einer Präsentation von Barry Lewis, G4SJH: https://www.iaru.org/wp-content/uploads/2022/06/23cm-Band-and-RNSS-June2022.pdf

KOEXISTENZ VON 23-CM-BAND UND SATELLITENNAVIGATION
Das Ausmaß des Problems für die Amateurfunkdienste wird deutlich. Die Studien sagen zum Beispiel voraus, dass selbst eine 10-W-Station im 23-cm-Band Störungen bei RNSS-Empfängern in einer Entfernung von bis zu 30 km in Richtung der Hauptantenne verursachen könnte. Das Niveau der Amateuraktivitäten und die Dichte der Nutzer ist recht gering. Vor allem im Vergleich zu anderen, populäreren Bändern. Es bleibt jedoch das Problem bestehen, dass Amateurfunkdienste aus rechtlicher Sicht keine schädlichen Störungen bei RNSS-Diensten verursachen dürfen.

ERHEBLICHES POTENZIAL FÜR INTERFERENZEN
Natürlich können in den Studien nicht alle Möglichkeiten zur Entschärfung des Problems berücksichtigt werden (z. B. Hindernisse, Geländeverbauungen usw.). Es ist jedoch klar, dass bei der Koexistenz des Amateurfunks im 23-cm-Band und der Satellitennavigation ein erhebliches Störpotenzial besteht. Die IARU setzt sich dafür ein, dass sich der Amateurfunkdienst in diesem Band weiter entwickeln kann und alle derzeit genutzten Amateurfunkanwendungen weiterhin möglich sind. Angesichts der starken Nutzung des Bandes durch die verschiedenen RNSS-Systeme ist es jedoch klar, dass es Vorschläge geben wird, die die Möglichkeiten zum Betrieb in bestimmten Teilen des Bandes und bei den derzeitigen Leistungspegeln für den Amateurfunkdienst einschränken. Die IARU ist an der Diskussion dieser Überlegungen voll beteiligt und wird sie innerhalb der ITU-R (und anderer regionaler Gremien) fortsetzen. Der zusammenfassende Bericht der IARU über das WP4C-Treffen ist hier als Word-Datei/docx zu finden: https://www.iaru.org/wp-content/uploads/2022/05/IARU-Report-from-WP4C_May-2022.docx
292456954_2257060884453686_3636444675991801848_n

Quellen: IARU.org / veron.nl
bearbeitet von Tom DF5JL und Arndt DC7OT

UPDATE:

HAM-Bericht mit Informationen zum Thema 23 cm vs. Galileo E6 und Hamnet Der VUS-Referent Jann Traschewski, DG8NGN, hat einen Nachbericht zur Teilnahme des VHF/UHF/SHF-Referates an der HAM RADIO geschrieben. Dieser ist auf der Referatswebseite als PDF-Datei abrufbar [1]. Inhaltlich geht es auch um die aktuellen Aktivitäten und Themenfelder, die im Referat gerade bearbeitet werden. Dazu gehört das Thema 23-cm-Band vs. Galileo E6. Im Bericht des Referates wird im Abschnitt über die CEPT Working Group SE40, welche sich aktuell vom 25. bis 27. Juli in Biel/Schweiz berät, informiert. Laut den Tagungsunterlagen zur CEPT-Arbeitsgruppe sollen schmalbandige Störungen durch den Einsatz von so genannten „interference suppression units“, kurz ISUs, gut unterdrückt werden können. Das habe eine Studie der Universität der Bundeswehr München herausgefunden. Im übertragenen Sinne würde das bedeuten, dass schmalbandige Amateurfunkaussendungen auf dem 23-cm-Band wahrscheinlich zu keinen großen Beeinflussungen des Galileo-Navigationsdienstes führen würden. Auf IARU-Ebene diskutiert man derzeit, wie ein neuer 23-cm-Bandplan aussehen könnte, um eine bessere Kompatibilität mit dem Galileo E6-Signal zu erreichen.
[1] https://www.darc.de/.../VUS-Bericht_zur_HAM_RADIO_2022.pdf