Icom IC-7110: HF bis 70 cm, echtes Dual-Empfangen und weiterhin kein interner Tuner
Monatelang stand auf Amateurfunkmessen nur ein Konzeptmodell hinter Glas. Icom nannte es X-026 und verriet kaum technische Details. Auf der Tokyo Ham Fair am 29. August 2026 hat der Hersteller das Geheimnis gelüftet: Aus X-026 wird der IC-7110. Icom selbst ordnet ihn als Nachfolger des IC-7100 ein. Das Grundkonzept bleibt erhalten, technisch wurde das Gerät jedoch umfassend modernisiert.
Der IC-7110 kombiniert in der europäischen Version Kurzwelle, 50 MHz, 70 MHz, 144 MHz und 430 MHz in einem Allmode-Transceiver. Hinzu kommen echtes gleichzeitiges Empfangen über zwei getrennte Empfängerzweige, ein abgesetztes Bedienteil mit Farb-Touchscreen, Spektrum- und Wasserfalldarstellung sowie Wi-Fi, Bluetooth, GNSS, USB-C und moderne D-STAR-Funktionen. Eine Sache hat Icom allerdings vom IC-7100 übernommen, die viele Funkamateure schon beim Vorgänger vermisst haben: Einen internen Antennentuner gibt es auch diesmal nicht.
Von Kurzwelle bis 70 cm in einem Gerät
Die europäische Ausführung des IC-7110 ist für HF, 50 MHz, 70 MHz, 144 MHz und 430 MHz vorgesehen. Unterstützt werden SSB, CW, RTTY, AM, FM und D-STAR DV. Damit deckt das Gerät einen großen Teil dessen ab, wofür an vielen Stationen ansonsten mehrere Transceiver eingesetzt werden.
Die 100-W-Version liefert auf Kurzwelle und 50 MHz maximal 100 W. Auf 144 und 430 MHz sind bis zu 50 W vorgesehen.
Auch das Empfangsspektrum reicht über die reinen Amateurfunkbänder hinaus. Die bisher veröffentlichten Unterlagen nennen unter anderem den Empfang des UKW-Rundfunks und des Flugfunkbereichs.
Echtes Dual-Empfangen ist eine der wichtigsten Neuerungen
Technisch besonders interessant ist die Empfängerarchitektur. Icom verwendet getrennte Empfängerschaltungen für HF und 50 MHz auf der einen sowie VHF und UHF auf der anderen Seite. Dazu besitzt das Hauptgerät getrennte Antennenanschlüsse für HF/50 MHz und 144/430 MHz.
Dadurch kann der IC-7110 tatsächlich zwei unterschiedliche Frequenzbereiche gleichzeitig empfangen. Dokumentiert sind bisher die Kombinationen HF plus 144 MHz, HF plus 430 MHz, 50 MHz plus 144 MHz sowie 50 MHz plus 430 MHz. Die Betriebsart lässt sich für beide Seiten unabhängig einstellen.
Das ist mehr als zwei VFOs, zwischen denen ein Funkgerät lediglich umschalten kann. Du könntest beispielsweise auf 2 m eine lokale Frequenz beobachten und gleichzeitig auf Kurzwelle das Bandgeschehen verfolgen. Ebenso lässt sich 6 m parallel zu 2 m oder 70 cm beobachten.
Die bisher veröffentlichten Unterlagen beschreiben dagegen kein gleichzeitiges Dual-Empfangen zweier HF-Frequenzen oder beispielsweise von 2 m und 70 cm. Der Begriff Dualwatch sollte deshalb nicht mit zwei vollständig frei einsetzbaren Breitbandempfängern verwechselt werden.
Auf HF und 50 MHz arbeitet der IC-7110 laut Vorabunterlagen mit RF Direct Sampling und FPGA-Verarbeitung. Damit übernimmt Icom ein Empfangskonzept, das bereits aus anderen aktuellen SDR-Transceivern des Herstellers bekannt ist.
Farbdisplay statt monochromem IC-7100-Bedienteil
Beim Bedienteil ist der Generationswechsel sofort sichtbar. Der IC-7100 besaß zwar bereits einen Touchscreen, arbeitete jedoch noch mit einer monochromen Anzeige. Der IC-7110 erhält einen 4,3 Zoll großen Farb-Touchscreen mit Echtzeit-Spektrumanzeige, Wasserfall und Audio-Scope.
Das Bedienkonzept erinnert stärker an aktuelle Icom-Geräte wie den IC-705 und den IC-7300MK2. Trotz Touchscreen bleiben zahlreiche physische Tasten und Drehregler erhalten. Die Tasten sind beleuchtet, die Displayhelligkeit kann automatisch angepasst werden.
Das Bedienteil ist weiterhin vom eigentlichen Transceiver abgesetzt. Der Lautsprecher sitzt direkt im Controller. Dort befinden sich außerdem unter anderem Mikrofonanschluss, Kopfhörerbuchse, Anschluss für eine elektronische Taste, microSD-Slot und USB-C.
Interessant für mobile und portable Aufbauten sind auch ein AMPS-Lochbild und ein 1/4-Zoll-Stativgewinde. Das Bedienteil lässt sich dadurch mit verbreiteten Halterungen oder sogar mit einem Kamerastativ befestigen.
Wi-Fi, Bluetooth und GNSS sind jetzt integriert
Bei der Konnektivität macht der IC-7110 einen großen Schritt gegenüber seinem Vorgänger. Wi-Fi arbeitet sowohl auf 2,4 als auch auf 5 GHz. Dazu kommen Bluetooth 5.3 und ein integrierter GNSS-Empfänger zur Positionsbestimmung.
Über Wi-Fi sollen unter anderem Verbindungen zu Smartphone oder PC, Firmware-Updates sowie die Aktualisierung von D-STAR-Repeaterlisten möglich sein. Bluetooth ist beispielsweise für drahtlose Headsets vorgesehen.
D-STAR gehört weiterhin fest zum Konzept. Unterstützt werden unter anderem DR-Modus, Terminal- und Access-Point-Modus sowie die Überwachung von DV-Repeatern. Bilder lassen sich laut Icom direkt über das Funkgerät senden, empfangen und anzeigen.
CW-Decoder und FT8-Preset
Auch bei digitalen und computerunterstützten Betriebsarten wurde nachgebessert. Ein integrierter CW-Decoder kann empfangene Morsezeichen auf dem Display darstellen. Icom übernimmt diese Funktion vom IC-7300MK2.
Für die FT8-Einstellungen gibt es wie bei den Schwestermodellen ein eigenes Preset. Ein Menüpunkt stellt die dafür benötigten Transceiver-Parameter gemeinsam ein und kann das Gerät anschließend wieder auf den normalen Betriebszustand zurücksetzen. Weitere Speicherplätze lassen sich für eigene Einstellungen verwenden. Icom nennt beispielsweise SSTV als mögliche Anwendung.
Der interne Antennentuner fehlt erneut
Eine Funktion sucht man auch beim IC-7110 vergeblich: einen eingebauten automatischen Antennentuner. Auf der Rückseite befindet sich stattdessen ein Steueranschluss für einen externen Tuner.
Ein Antennentuner kann innerhalb seines Arbeitsbereichs Fehlanpassungen zwischen Transceiver und Antennensystem ausgleichen. Gerade bei mobilen und portablen HF-Antennen sind solche Fehlanpassungen keine Seltenheit, weil dort häufig mit verkürzten oder für mehrere Bänder ausgelegten Antennen gearbeitet wird.
Das Fehlen eines internen ATU ist keine Verschlechterung gegenüber dem IC-7100. Auch der Vorgänger benötigte dafür einen externen Tuner. Beim neuen Gerät wäre ein eingebauter Tuner trotzdem eine sinnvolle Ergänzung gewesen, denn der IC-7110 wird ausdrücklich als vielseitiger Allband-Transceiver für unterschiedliche Betriebsumgebungen positioniert.
Für eine Heimstation mit resonanten Antennen oder einem ohnehin vorhandenen externen Tuner fällt dieser Punkt kaum ins Gewicht. Beim Mobil- und Portabelbetrieb bedeutet ein externer Tuner dagegen zusätzliches Gerät, weitere Verkabelung und zusätzlichen Platzbedarf. Der IC-7110 vereint viele Funkbereiche in einem Gehäuse, bei der Antennenanpassung endet dieses Ein-Gerät-Konzept jedoch weiterhin.
70 MHz ist in Europa interessant, in Deutschland derzeit aber nicht zum Senden freigegeben
Die europäische Version unterstützt serienmäßig das 4-m-Band bei 70 MHz. Das ist bemerkenswert, weil nur wenige aktuelle Allmode-Geräte diesen Bereich zusammen mit Kurzwelle, 6 m, 2 m und 70 cm abdecken.
Für Funkamateure in Deutschland gibt es allerdings einen wichtigen rechtlichen Haken: Die technische Fähigkeit des Funkgeräts ist keine Betriebserlaubnis.
Die Bundesnetzagentur hatte zuletzt für 2025 den Bereich von 70,150 bis 70,210 MHz befristet freigegeben. Die Regelung galt ausschließlich für Klasse A und ortsfeste Amateurfunkstellen. Zulässig waren maximal 25 W ERP bei horizontaler Polarisation. Diese Duldung endete am 31. Dezember 2025.
Stand 29. August 2026 ist keine neue Sendefreigabe für deutsche Funkamateure veröffentlicht. Im Juni 2026 wurde allerdings ein Entwurf zur Änderung der Frequenzverordnung bekannt, der für den Bereich 70 bis 70,5 MHz eine Amateurfunknutzung grundsätzlich ermöglichen soll. Dabei wäre der Amateurfunk gegenüber militärischen Funkdiensten nicht geschützt und dürfte diese nicht stören. Für tatsächlichen Amateurfunkbetrieb sind jedoch weitere regulatorische Schritte erforderlich.
Für deutsche Funkamateure ist die 70-MHz-Fähigkeit des IC-7110 deshalb momentan vor allem eine interessante Zukunftsoption. In europäischen Ländern, in denen das 4-m-Band regulär für den Amateurfunk freigegeben ist, lässt sich dieser Teil des Geräts unmittelbar nutzen.
Kühlung für längere Sendephasen
Auch das Hauptgerät wurde überarbeitet. Es besitzt einen Aluminium-Druckgussrahmen und einen vorn angeordneten Lüfter. Icom hebt diese Konstruktion insbesondere für Betriebsarten mit hoher Einschaltdauer hervor.
Das ist beispielsweise bei digitalen Betriebsarten relevant, bei denen der Sender über längere Zeit mit vergleichsweise hoher Dauerleistung betrieben wird. Ob sich die neue Kühlung in der Praxis tatsächlich besser bewährt als beim IC-7100, lässt sich allerdings erst nach unabhängigen Tests beurteilen.
Auf der Rückseite sitzen neben den beiden Antennenanschlüssen unter anderem ACC-, DATA-, Remote-, Lautsprecher-, USB-C- und Tuneranschlüsse. Das Gerät bleibt damit auch für umfangreichere Stationsaufbauten offen.
Was Icom noch nicht verraten hat
Trotz der offiziellen Vorstellung handelt es sich weiterhin um Vorabinformationen. Einige für eine Kaufentscheidung wichtige Daten fehlen.
Noch nicht veröffentlicht wurden unter anderem Preis, verbindlicher Liefertermin, genaue Abmessungen und Gewicht des Geräts sowie Stromaufnahme und Versorgungsspannungsbereich. Auch wichtige Empfängerdaten wie Empfindlichkeit und Selektivität liegen noch nicht vollständig vor.
Ebenso stehen die jeweiligen nationalen Zulassungen noch aus. Icom weist ausdrücklich darauf hin, dass das Gerät in einzelnen Ländern erst verkauft werden darf, wenn die notwendigen regulatorischen Voraussetzungen erfüllt sind.
Gerade bei einem Transceiver dieser Klasse werden später die Empfängerwerte interessant. Die Funktionsliste sieht umfangreich aus, sagt aber noch wenig darüber aus, wie sich der Empfänger bei starken Nachbarsignalen, im Contest oder an großen Antennen verhält. Dafür braucht es vollständige technische Daten und unabhängige Messungen.
Fazit: Der IC-7100 hat einen echten Nachfolger bekommen
Der IC-7110 ist deutlich mehr als ein IC-7100 mit Farbdisplay. Icom behält das bewährte Konzept aus Hauptgerät und abgesetztem Controller bei und ergänzt eine moderne SDR-Architektur, Spektrum- und Wasserfalldarstellung, echtes gleichzeitiges Empfangen über zwei getrennte Empfängerbereiche sowie zeitgemäße drahtlose Schnittstellen.
Besonders attraktiv ist die Kombination aus HF, 6 m, 4 m, 2 m und 70 cm in einem Allmode-Gerät. Für die europäische Version macht 70 MHz das Paket zusätzlich interessant, auch wenn dieser Bereich in Deutschland derzeit nicht zum Sendebetrieb freigegeben ist.
Der fehlende interne Antennentuner bleibt der auffälligste Schwachpunkt des Konzepts. Er verhindert nicht, dass der IC-7110 ein sehr vielseitiger Transceiver ist. Für Mobil- und Portabelbetrieb wäre ein eingebauter ATU jedoch ein erheblicher praktischer Vorteil gewesen.
Wie gut das Gesamtpaket am Ende wirklich ist, hängt jetzt vor allem von drei noch unbekannten Punkten ab: dem Preis, den endgültigen Empfängerdaten und der tatsächlichen Verfügbarkeit. Technisch ist aber bereits erkennbar, dass Icom die seit Jahren offene Position des IC-7100 nicht einfach neu besetzt, sondern das Konzept deutlich weiterentwickelt hat.
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Dann besuche uns nach kurzer Voranmeldung an jedem dritten Montag im Monat ab 18:30 Uhr im Galileum in Solingen-Ohligs. Weitere Informationen zu unseren OV-Abenden findest du auf unserer Website www.cqsg.de unter „Termine“.
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Quellen und weiterführende Informationen
Icom präsentiert: der neue IC-7110 HF/50/70*/144/430/440 MHz – All Mode-Transceiver
The DXZone vom 29. August 2026: Icom IC-7110 – Specifications and Photos
Bildhinweis: Mit KI erstellt oder bearbeitet.





