16
Jun
2026

FT8 direkt im Browser: Web FT8 Client startet in die öffentliche Beta

FT8 ohne klassische Installation

Mit dem Web FT8 Client (Link) ist eine neue öffentliche Beta gestartet, die für Funkamateure vor allem im portablen Betrieb spannend sein dürfte. Die Idee ist einfach: FT8 soll direkt im Browser laufen, ohne vorher ein komplettes Programm auf dem Rechner installieren zu müssen.

Damit zielt das Projekt besonders auf Situationen, in denen möglichst wenig Ausrüstung mitgenommen werden soll. Bei SOTA, POTA, Fielddays oder spontanen Portabel-Aktivitäten kann jedes zusätzliche Gerät stören. Wenn ein Smartphone, Tablet oder leichter Laptop zusammen mit dem Funkgerät ausreicht, wird der digitale Betrieb deutlich schlanker.

CAT-Steuerung per WebSerial und WebUSB

Technisch setzt der Web FT8 Client auf moderne Browser-Schnittstellen. Auf Desktop-Systemen ist WebSerial für die CAT-Steuerung vorgesehen. Für Android wird ein eigener WebUSB-Treiber genannt. Damit soll die Verbindung zwischen Browser und Funkgerät hergestellt werden, ohne dass der Anwender eine klassische Desktop-Software starten muss.

Das ist interessant, aber auch ein Punkt, den man realistisch einordnen muss. WebSerial und WebUSB sind nicht in allen Browsern gleich gut verfügbar. Besonders auf mobilen Geräten hängt viel davon ab, welcher Browser, welches Betriebssystem und welche USB-Verbindung verwendet wird. Wer den Client ausprobiert, sollte also nicht erwarten, dass jede Kombination aus Funkgerät, Kabel, Adapter und Browser sofort funktioniert.

Automatisierte QSO-Abläufe

Zum Funktionsumfang gehört laut Ankündigung auch eine automatisierte QSO State Machine. Gemeint ist damit, dass der typische FT8-Ablauf mit CQ, Antwort, Rapport, Bestätigung und Abschluss automatisiert geführt werden kann, also wie bei WSJT-X. Das ist bei FT8 kein Luxus, sondern praktisch notwendig, weil der Modus im festen 15-Sekunden-Takt arbeitet und das Zeitfenster für manuelle Entscheidungen sehr kurz ist. Dabei sprechen wir wohlgemerkt nicht von vollautomatischem Betrieb ohne Operator.

Im Screenshot ist bereits eine vollständige Bedienoberfläche zu sehen: Bandwahl, Wasserfall, Stationsliste, QSO-Bereich, Logbuch, Frequenzanzeige und Uhrzeit laufen in einer Weboberfläche zusammen. Das wirkt nicht wie eine kleine Demo, sondern wie ein ernst gemeinter Client für den Funkbetrieb.

„Fake Split“ für ein sauberes Signal

Ein weiteres genanntes Merkmal ist die sogenannte „Fake Split“-Optimierung. Dabei wird die Sendefrequenz so umgesetzt, dass das ausgesendete Signal sauber bleibt und ungünstige Audiofrequenzen vermieden werden. Für den praktischen FT8-Betrieb ist das relevant, weil unsaubere Signale auf dem Wasserfall sofort auffallen und andere Stationen stören können.

Gerade bei portablen Setups mit einfachen Audio- und USB-Verbindungen ist saubere Aussteuerung wichtig. Auch ein Browser-Client nimmt dem Funkamateur diese Verantwortung nicht ab. ALC, Pegel, Sendeleistung und korrekte Zeitsynchronisation bleiben weiterhin Punkte, die vor dem ersten CQ geprüft werden müssen.

Interessant für SOTA, POTA und Fielddays

Der größte Reiz liegt klar im portablen Betrieb. Wer bisher für FT8 immer Notebook, Softwareinstallation, Treiber und Konfiguration einplanen musste, bekommt hier einen anderen Ansatz. Browser öffnen, Funkgerät verbinden, Band wählen und loslegen. So einfach wird es in der Praxis nicht immer sein, aber die Richtung ist spannend.

Für SOTA- und POTA-Aktivierungen kann so ein Werkzeug den Einstieg erleichtern. Auch beim Fieldday oder bei Vorführungen im Ortsverband ist ein browserbasierter FT8-Client interessant, weil man den digitalen Betrieb schneller zeigen kann. Das senkt die Hürde für Einsteiger, ohne gleich eine komplette Softwareumgebung erklären zu müssen.

Beta bleibt Beta

Trotzdem sollte man die aktuelle Version als das betrachten, was sie ist: eine öffentliche Beta. Wer damit auf Sendung geht, sollte vorher gründlich testen, ob CAT-Steuerung, Audio, PTT, Frequenzwahl, Zeitabgleich und Logbuch zuverlässig arbeiten. Besonders bei neuen Lösungen gilt: Erst prüfen, dann senden.

Für den Alltag im Shack wird WSJT-X vorerst nicht einfach ersetzt. Dafür ist die etablierte Software zu ausgereift und in vielen Stationen fest eingebunden. Der Web FT8 Client zeigt aber, wohin sich digitale Betriebsarten entwickeln können. Weniger Installation, mehr Plattformunabhängigkeit und ein deutlich leichterer Einstieg für portable Setups.

Offener Quellcode und erste Rückmeldungen

Der Web FT8 Client ist nicht nur als Webanwendung verfügbar, sondern auch auf GitHub einsehbar. Dort beschreibt OK1CDJ die Architektur hinter dem Projekt deutlich genauer. Die Oberfläche basiert auf React 19, Vite und Tailwind CSS. Für die eigentliche FT8-Verarbeitung wird die TypeScript-Bibliothek @e04/ft8ts genutzt, die in einem separaten Web Worker läuft. Die Audioverarbeitung erfolgt über Web-Audio-Technik, während die Funkgeräte-Anbindung über eine eigene Abstraktionsschicht für WebSerial und WebUSB umgesetzt ist.

Interessant ist auch der Stand der getesteten Funkgeräte. Laut GitHub wurden bisher der Icom IC-7300 und der Icom IC-705 erfolgreich getestet. Weitere Geräte sollen folgen. In den ersten Rückmeldungen auf Facebook tauchen bereits genau solche Fragen auf. Ein Nutzer berichtet etwa, dass sein IC-7610 nicht erkannt wurde und er keine passende Stelle in den Einstellungen gefunden habe. Das zeigt: Die Idee ist stark, aber die praktische Geräteunterstützung muss sich jetzt im Feld beweisen.

Auch ein anderer Punkt wurde in den Kommentaren angesprochen: der Hinweis auf Copyright- und Lizenzangaben rund um WSJT-X. Auf GitHub wird FT8 als von Joe Taylor, K1JT, und Steve Franke, K9AN, im Rahmen von WSJT-X entwickelter Modus genannt. Da das Projekt unter GPLv3 veröffentlicht ist, lohnt sich bei solchen Punkten trotzdem ein genauer Blick in die Lizenz- und Attributionsangaben. Gerade bei Open-Source-Projekten ist saubere Nennung nicht nur Formalität, sondern Teil der technischen und rechtlichen Fairness.

Fazit

Der Web FT8 Client ist ein spannender Schritt für Funkamateure, die FT8 möglichst schlank und flexibel betreiben möchten. Besonders für SOTA, POTA, Fielddays und mobile Experimente kann ein Browser-Client echten Mehrwert bieten. Gleichzeitig hängt der praktische Nutzen stark von Browser-Unterstützung und Hardware-Kompatibilität ab.

Für den Amateurfunk ist das Projekt trotzdem bemerkenswert. Es bringt moderne Webtechnologie direkt an die Schnittstelle zwischen Funkgerät und digitaler Betriebsart. Für Ortsverbände wie R14 Solingen kann so etwas auch bei Vorführungen interessant werden, weil FT8 damit anschaulich und mit weniger Installationsaufwand gezeigt werden kann.

Ob der Web FT8 Client im Alltag zuverlässig funktioniert, wird sich vor allem durch Tests mit unterschiedlichen Transceivern zeigen. Bisher sind laut GitHub der Icom IC-7300 und der Icom IC-705 erfolgreich getestet worden. Weitere Geräte dürften folgen, sobald mehr Funkamateure die öffentliche Beta ausprobieren und Rückmeldungen geben.

FT8 im Browser

Quellen:

Ankündigung von OK1CDJ zum Web FT8 Client: https://x.com/ok1cdj/status/2066229684057391308
Web FT8 Client: https://ft8web.ok1cdj.com/
Web FT8 Client auf GitHub: https://github.com/ok1cdj/FT8web
MDN Web Docs zur Web Serial API: https://developer.mozilla.org/en-US/docs/Web/API/Web_Serial_API
MDN Web Docs zur WebUSB API: https://developer.mozilla.org/en-US/docs/Web/API/WebUSB_API
WSJT-X Projektseite zu FT8 und schwachen Signalen: https://wsjt.sourceforge.io/
WSJTX-Improved-Projektseite: https://sourceforge.net/projects/wsjt-x-improved/



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